Wofür legen die Bundesbürger ihr Geld zurück? Dieser Frage geht der Dachverband der Privaten Bausparkassen dreimal jährlich mit einer repräsentativen Studie nach. Das Ergebnis der Herbstumfrage: Immer mehr Menschen sparen, um sich später größere Anschaffungen leisten zu können. Sparziele wie die Altersvorsorge verlieren hingegen an Bedeutung.
Sei es ein neuer Fernseher, ein neues Auto oder eine Einbauküche: Immer mehr Menschen füttern ihr Sparschwein, um sich zu einem späteren Zeitpunkt größere Anschaffungen leisten zu können. Dies ist das Ergebnis einer Studie, für die das Marktforschungsinstitut
TNS Infratest über 2.000 Bundesbürger befragte. Das Sparmotiv „Konsum/Spätere Anschaffungen“ steht derzeit mit 62 Prozent ganz oben auf der Prioritätenliste der Deutschen und legte im Vergleich zur Sommerumfrage um stolze 6 Prozentpunkte zu. Dem entgegen nannten nur 59 Prozent aller Interviewten die Altersvorsorge als wichtigstes Sparziel. Auf Platz 3 der Sparmotive landete mit 46 Prozent Zustimmung der „Erwerb bzw. die Renovierung von Wohneigentum“.
Angst vor Inflation befördert Konsum
Warum aber geben immer mehr Menschen ihr Geld lieber aus und legen es nicht für den Lebensabend zurück? Finanzexperten führen dieses Sparverhalten auf die Eurokrise und die damit verbundene Angst vor einer Geldentwertung zurück. „Viele wollen derzeit ihr Geld lieber ausgeben, anstatt es zu sparen“, erklärte dazu der Vorstandsvorsitzende des
Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas J. Zehnder. „Befördert wird dies offensichtlich durch eine wachsende Inflationsfurcht und die von der Europäischen Zentralbank (EZB) diktierten niedrigen Zinsen, durch die eigene Ersparnisse jetzt und im Alter entwertet würden.“ Diese Aussage wird von einer früheren TNS-Infratest-Umfrage bestätigt, wonach mittlerweile fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) die Folgen einer Geldentwertung fürchtet.
Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass die Inflation in Deutschland zwar leicht gestiegen ist, bisher aber keine dramatischen Ausmaße angenommen hat. 2,1 Prozent betrug die Teuerung im August 2012 – nur knapp über dem Wert, der als Grenze für Preisstabilität gilt. Auch die Sorge, dass die Inflation steigen könnte, wenn die EZB verstärkt Staatsanleihen kauft, teilen nicht alle Finanzexperten. Weder in den USA noch in Japan führten ähnliche Maßnahmen in den letzten Jahrzehnten zu einer hohen Geldentwertung.
Altersvorsorge ist wichtig!
Gefährlich kann es jedoch für Sparer werden, wenn sie aufgrund diffuser Ängste die Altersvorsorge vernachlässigen. Vorbei sind für viele Menschen die Zeiten, in denen der Staat für eine auskömmliche Rente sorgte. Während die Bevölkerung immer älter wird, sind die Rentenkassen immer leerer.
Zudem sorgen neue Gesetze dafür, dass sich die Renten immer weiter von den Einkommen abkoppeln, leider zum Nachteil der Ruheständler. Lag das Rentenniveau im Jahr 2002 noch bei 54 Prozent der Einkommen, sollen es im Jahr 2030 nur noch 43 Prozent sein. Glaubt man den Berechnungen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), droht dann sogar Millionen Normalverdienern Altersarmut. Arbeitnehmer, die 2.500 Euro Brutto im Monat verdienen und 35 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, erhalten im Jahr 2030 nur eine Rente in Höhe der Grundsicherung von 688 Euro.
Da gilt es, selbst aktiv zu werden. Oftmals verhält es sich mit einer erfolgreichen Altersvorsorge wie mit einem Kochrezept: Entscheidend sind die richtigen Zutaten und die richtige Mischung. Ob man sich für Aktien entscheidet oder für eine staatlich geförderte Riester-Rente, für festverzinsliche Wertpapiere, Immobilien oder für Wertgegenstände: Dies hängt von der persönlichen Lebenssituation, den Vorlieben und finanziellen Möglichkeiten ab. Ein Beratungsgespräch kann helfen, die richtige Vorsorgeform zu finden.