13.11.2013
Rubrik: Gesundheit

Trauriger Trend

Bereitschaft zur Organspende sinkt

Bereitschaft zur Organspende sinkt Foto: geralt@Pixabay.com

Es ist eine besorgniserregende Entwicklung: Immer weniger Menschen sind in Deutschland zu einer Organspende bereit. Für die Patienten auf den Wartelisten hat das bittere Konsequenzen. Viele sterben, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten.

Wer in Deutschland ein lebensrettendes Organ braucht, macht eine Zeit des Hoffens und Bangens durch. Rund 11.300 Menschen sind derzeit auf einer Warteliste für Transplantationen vermerkt, allein 8.000 von ihnen brauchen eine neue Niere. Für viele Menschen hat die Warterei leider kein Happy End. Jedes Jahr verlieren 2.000 Patienten ihr Leben, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten: Das sind drei pro Tag.

Umso erschreckender sind die aktuellen Zahlen zum Thema Spendenbereitschaft. Von Januar bis Oktober 2013 konnten bislang im Bundesgebiet 754 Organspenden realisiert werden, berichtet die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Das entspricht einem Rückgang von -15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als noch 892 Patienten ein neues Organ erhielten. Die Zahl der insgesamt gespendeten Organe sank in den ersten zehn Monaten weniger stark (-11,8 Prozent) von 3.001 in 2012 auf 2.647 in diesem Jahr.

Organspendeskandale erschütterten das Vertrauen der Bürger

Der Trend zu weniger Spendern ist für die Betroffenen bitter. Denn mit jedem Organ, das weniger gespendet wird, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, rechtzeitig eine lebensrettende Transplantation zu erhalten. Nicht zuletzt haben die Organspendeskandale der letzten Jahre das Vertrauen erschüttert. Ärzte in Regensburg, Göttingen, München und Leipzig hatten Patientenakten manipuliert, damit die Patienten kranker erscheinen und auf der Warteliste nach oben rutschen. So haben sie schneller ein Spenderorgan erhalten.

Seitdem sind aber zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden, die für mehr Transparenz im Organspendesystem sorgen sollen. Die Transplantationszentren etwa müssen sich auf unangemeldete Kontrollen einstellen. Auch soll über jede Transplantation von drei Ärzten entschieden werden, damit ein Missbrauch unwahrscheinlicher wird. Weitere Reformen werden aktuell von der Politik diskutiert, damit auch die Wartenden mehr Rechte erhalten. Im Gespräch ist etwa eine Akteneinsicht für Patienten auf der Warteliste.

Organspende ist wichtig!

Damit mehr Menschenleben gerettet werden können, sollten sich gerade junge Menschen verstärkt mit ihrer Spendenbereitschaft auseinandersetzen. Die Organspende ist „der beste Weg, auch nach dem eigenen Tod andere Menschen glücklich zu machen“, sagt der Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen. Hierbei kann sich jeder Mensch ins Bewusstsein rufen, dass er im Falle einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls ebenfalls auf ein Spenderorgan hoffen darf. Es ist nur ein kleiner Schritt, sich einen Spenderausweis zuzulegen! Besonders traurig: Auch viele Kinder befinden sich auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Bis zu zehn Prozent aller Transplantationen werden bei Kindern durchgeführt, Grund sind meist angeborene Organfehlbildungen.

Mit der Reform des Transplantationsgesetzes im Jahr 2012 haben nun auch Lebendspender mehr Rechtssicherheit, wenn sie einem Angehörigen oder einer nahe stehenden Person ein Organ spenden wollen. Jeder Spender hat zukünftig einen Anspruch gegen die Krankenversicherung des Organempfängers auf Krankenbehandlung, Vor- und Nachbetreuung, Rehabilitation, Fahrtkosten und Krankengeld in Höhe des Nettoverdienstausfalls – ganz gleich, ob er privat oder gesetzlich versichert ist.

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